Auf dem Papier liegen TI AM62A und TI AM67A dicht beieinander: derselbe 16-nm-Prozess, dieselben vier Cortex-A53-Rechenkerne, dieselbe ISP-Familie, derselbe Sicherheitsblock. Der Unterschied steckt nicht in der TOPS-Spalte, sondern darin, welches System sich damit überhaupt bauen lässt. Der eine Baustein bietet einen Kameraeingang und eine automotive Sicherheitsaussage; der andere vier Kameraeingänge, PCIe und eine Hardware-Engine für Tiefe und Bewegung — trägt dafür in seinem aktuellen Datenblatt keine Aussage zur funktionalen Sicherheit mehr. Dieser Leitfaden arbeitet die Auswahl von den Randbedingungen zurück zum Silizium. Alle Angaben stammen aus den aktuellen TI-Datenblättern: AM62Ax SPRSP77E (März 2023, überarbeitet April 2026) und AM67x SPRSPA3B (März 2024, überarbeitet Juni 2026). Für diesen Artikel wurden von Spikedge keine eigenen Messungen an beiden Bausteinen durchgeführt.

Die kurze Antwort

Kameraanzahl, schnelle Schnittstellen und funktionale Sicherheit entscheiden fast jeden Fall.

  • Eine Kamera, knappes Leistungsbudget, Automotive-Qualifizierung oder ein Sicherheitsziel → AM62A.
  • Zwei oder mehr unabhängige Kameras, NVMe/PCIe oder USB 3.0, Stereotiefe oder dichter optischer Fluss → AM67A.
  • Etwas, das keiner von beiden bietet (PRU-ICSS für EtherCAT-Offloading, eine CUDA-Toolchain, Inferenz deutlich jenseits von 4 TOPS) → keiner von beiden.

Zwei Bausteine, zwei Herkünfte

Ein Hintergrund macht alle folgenden Unterschiede lesbar: die beiden Bausteine stammen aus verschiedenen Linien.

  • AM62A heißt im eigenen Datenblatt „AM62Ax Sitara™ Processors". Die Sitara-Linie ist aus stromsparender, kostensensitiver Embedded-Rechenleistung gewachsen.
  • AM67A ist laut TI „based on the evolutionary Jacinto™ 7 architecture". Jacinto ist Automotive-Bildverarbeitungssilizium; der AM67A ist dessen industrielle Ableitung.

Damit erklärt sich der Rest. Vier Kameraeingänge, eine Tiefen-Engine und SERDES hat der AM67A, weil das Silizium für Fahrerassistenz entworfen wurde. Ein Kameraeingang, eine ausführliche Liste von Energiesparmodi und ein Automotive-Qualifizierungspfad kennzeichnen den AM62A aus seiner eigenen Herkunft.

Das ist kein Vergleich zwischen großem und kleinem Bruder, sondern zwischen zwei Bausteinen für zwei verschiedene Aufgaben.

Zuerst die Variante festlegen

Weder „AM62A" noch „AM67A" ist eine einzelne Teilenummer.

Beim AM67A gibt es zwei Serienbausteine: AM67A94 (mit GPU) und AM67A74 (ohne). Beide tragen zwei C7x + MMA, VPAC3L und DMPAC, beide die Geschwindigkeitsklasse K.

Beim AM62A sind es sieben, und die Spanne ist deutlich größer:

Teil Cortex-A53 Deep Learning
AM62A74 4 Kerne bis 2 TOPS
AM62A72 2 Kerne bis 2 TOPS
AM62A34 4 Kerne bis 1 TOPS
AM62A32 2 Kerne bis 1 TOPS
AM62A31 1 Kern bis 1 TOPS
AM62A14 4 Kerne keiner (0 TOPS)
AM62A12 2 Kerne keiner (0 TOPS)

Quelle: TI, SPRSP77E, Tabelle 4-1.

„Der AM62A ist ein 2-TOPS-Baustein" gilt also nur für die AM62A7-Reihe. Die AM62A1-Teile haben überhaupt keinen Deep-Learning-Beschleuniger und heißen trotzdem AM62A. Achtung vor der Falle: Die ti.com-Seite zu AM62A1-Q1 zeigt den gemeinsamen Familien-Merkmalsblock inklusive einer 2-TOPS-Zeile. Verbindlich ist Tabelle 4-1.

Hinzu kommt die Geschwindigkeitsklasse. Der AM62A kennt zehn Klassen, M bis V; der Cortex-A53 reicht darin von 800 bis 1400 MHz, der C7x von 500 bis 1000 MHz. „1,4 GHz A53 mit 1,0 GHz C7x" gibt es erst in den obersten Klassen. Der AM67A hat nur zwei Klassen, J und K, und beide bestellbaren Teile sind K.

Vor jedem Beschaffungsgespräch gehört der vollständige Bestellcode beider Seiten geklärt.

Zur Benennung: AM62A, AM62x, AM62P, AM62D und AM62L sind verschiedene Familien, keine Varianten einer einzigen. Dieser Artikel behandelt ausschließlich den AM62A. Manche TI-Applikationsschriften fassen mehrere dieser Familien unter einem Titel zusammen — prüfen Sie bei jeder übernommenen Zahl, zu welcher Familie sie gehört.

Entscheidungsachse 1 — Kameratopologie

In den meisten Projekten entscheidet diese Achse allein.

AM62A AM67A
CSI-2-Empfänger 1 Port, 4 Lanes 4 Ports, je 4 Lanes
CSI-2-Sender keiner 1 (geteilt mit MIPI DSI)
Virtuelle Kanäle bis zu 16 je Eingang

Der eine Empfänger des AM62A kann über einen Deserializer mehrere Sensoren zusammenfassen. Das ist nicht dasselbe wie vier unabhängige Kamerapfade: Die Bandbreite teilt sich auf einer 4-Lane-D-PHY, und alle Sensoren hängen am selben Deserializer.

Die vier unabhängigen Empfänger des AM67A sind tatsächlich vier getrennte Sensorpfade — unterschiedliche Auflösungen, unterschiedliche Bildraten, voneinander unabhängig.

Entscheidung: ein Sensor oder mehrere hinter einem Deserializer → AM62A genügt. Unabhängige Kamerapfade, gemischte Sensortypen oder Rundumsicht → AM67A.

Entscheidungsachse 2 — Das KI-Budget und was es wirklich aussagt

AM62A7 AM67A
Deep-Learning-Beschleuniger C7x + MMA C7x + MMA
Spitzenwert bis 2 TOPS (8 Bit) bis 4 TOPS (8 Bit)
C7x-L2-SRAM 1,25 MB 2,25 MB je Beschleuniger
Beschleunigerklasse C7x256V, 256-Bit-Vektor-DSP, bis 40 GFLOPS gleiche Klasse (C7x256V)

Der Unterschied ist ein Faktor, und dieses Detail zählt: die Beschleunigerklasse ist auf beiden Bausteinen dieselbe. Der AM67A trägt keinen größeren Beschleuniger, sondern einen zweiten.

Zwei Einschränkungen verbieten es, allein nach dieser Spalte zu entscheiden.

Erstens ist TOPS ein Spitzenwert. Was auf Anwendungsebene ankommt, hängt von der Operatorabdeckung, den Kosten für Vor- und Nachverarbeitung und den Speicherbewegungen ab. Ausführlich in unserer AM67A-Architekturanalyse.

Zweitens, und weniger bekannt: Zwei Beschleuniger halbieren nicht die Laufzeit eines Modells. Der Standard-Inferenzmodus von TI führt ein Modell auf einem einzigen Kern aus, unabhängig davon, wie viele vorhanden sind; beide zu nutzen ist eine ausdrückliche Entscheidung zur Übersetzungszeit. Der klare Nutzen zweier Beschleuniger liegt in zwei unabhängigen, parallel laufenden Inferenzströmen — zwei Kameras, zwei Modelle.

Entscheidung: ein Modell, ein Strom, mittlere Last → die 2 TOPS des AM62A7 genügen meist und führen zu einem günstigeren System. Mehrere gleichzeitige Inferenzströme → AM67A.

Entscheidungsachse 3 — Klassische Bildverarbeitung: ISP und Tiefe

AM62A AM67A
ISP-Durchsatz 315 MPixel/s; bis 5 MP @ 60 fps 600 MP/s
Bezeichnung des Blocks VPAC VPAC3L
VPAC-Teilblöcke VISS, LDC, MSC, NF VISS, LDC, MSC
RGB-IR 12 Bit 12 Bit
RAW-Eingang bis 16 Bit bis 16 Bit
Dichter optischer Fluss DMPAC
Stereo-Disparität DMPAC

Der ISP-Durchsatz verdoppelt sich grob. Entscheidend ist aber DMPAC.

Die Begriffe „DMPAC", „dense optical flow" und „stereo disparity" kommen im AM62A-Datenblatt an keiner Stelle vor. Das AM67A-Datenblatt führt DMPAC mit beiden Engines auf und markiert es in der Vergleichstabelle für AM67A94 und AM67A74 mit „Yes". Innerhalb der AM6xA-Reihe findet sich DMPAC im AM67A und im AM69A.

Für Bildverarbeitung jenseits der Klassifikation ist das eine echte Trennlinie. Stereotiefe oder dichte Bewegungsfelder auf den Cortex-A53-Kernen zu rechnen ist etwas völlig anderes, als sie an dedizierte Hardware zu übergeben.

Eine gemeinsame Eigenschaft sollte man vor jeder Mehrkameraplanung kennen: Beide Datenblätter halten fest, dass der VPAC mehrere Kameras im Zeitmultiplex bedient. Mehr Kameraeingänge bedeuten nicht mehr parallele ISP-Kapazität. Wir verfolgen das in der AM67A-Bildverarbeitungskette.

Entscheidung: Tiefen- oder Bewegungsfeldberechnung im System → AM67A. Nur Klassifikation und Detektion → diese Achse entscheidet nicht.

Entscheidungsachse 4 — Die Echtzeitseite

AM62A AM67A
Cortex-R5F 2 3
R5F in der MCU-Domäne ja (FFI, 512 KB SRAM) ja (FFI, 512 KB SRAM)
R5F in der MAIN-Domäne keiner ja (R5FSS0)
R5F für Gerätemanagement ja ja
ePWM / eCAP / eQEP 3 / 3 / 3 3 / 3 / 3
CAN-FD 3 4

Beide Datenblätter beschreiben den R5F der MCU-Domäne identisch: „MCU Channel with FFI", mit eigenen 512 KB SRAM. Die grundlegende Echtzeitfähigkeit ist auf beiden Bausteinen gleich.

Der Unterschied ist der zusätzliche R5F des AM67A in der MAIN-Domäne, mit dem sich eine Regelaufgabe und begleitende Echtzeitarbeit auf zwei Kerne verteilen lassen. Welche Kerne ein SDK freigibt, ist eine eigene Frage — behandelt in Linux und Cortex-R5F auf dem AM67A; die dortige Argumentation gilt weitgehend auch für den AM62A.

Entscheidung: eine hart terminierte Aufgabe → beide Bausteine bieten dasselbe. Zwei voneinander zu isolierende Echtzeitaufgaben → AM67A.

Entscheidungsachse 5 — Schnelle Schnittstellen

Die Achse, die Teams spät bemerken — und spätes Bemerken ist teuer.

AM62A AM67A
PCIe keines Gen3, eine Lane
USB 2× USB 2.0 1× USB 3.1 Gen1 + 1× USB 2.0
SERDES keines 2 Ports (geteilt von PCIe / USB3 / SGMII)
Ethernet 2 externe Ports, RMII/RGMII 2 externe Ports, RMII/RGMII/SGMII
TSN ja ja

Der Begriff SERDES kommt im AM62A-Datenblatt nicht vor, und PCIe nur dort, wo der Abschnitt „Related Products" einen anderen Baustein beschreibt. Der AM62A hat kein PCIe.

Die praktische Folge ist eindeutig: Ein AM62A-Entwurf hat keinen NVMe-Speicher. Ein System, das aufzeichnet, Modelle vorhält oder Video puffert, ist auf eMMC und SD beschränkt. Ein Beschleuniger im M.2-Format entfällt ebenso.

Der AM67A hat PCIe, aber einlanig und auf geteiltem Budget: PCIe, USB 3.0 und SGMII teilen sich insgesamt zwei SERDES-Ports.

Entscheidung: NVMe, M.2 oder USB 3.0 erforderlich → AM67A, und das SERDES-Budget vor dem Schaltplan planen.

Entscheidungsachse 6 — Anzeige und Grafik

AM62A AM67A
Anzeigen 1 bis 3
Schnittstelle DPI 24-Bit-RGB (optionaler Merkmalscode) OLDI/LVDS, DSI, DPI
Maximale Auflösung 2048×1080 @ 60 fps 3840×1080 @ 60 fps über OLDI-DL
GPU keine nur beim AM67A94

Zwei Einschränkungen überlagern sich: Beim AM62A ist das Anzeige-Subsystem optional — vorhanden nur bei Bestellcodes mit dem Merkmalscode M. Und das AM62A-Datenblatt führt überhaupt keine GPU.

Entscheidung: Bedienoberfläche mit Grafikstack → AM67A94. Eine einfache Anzeige → AM62A mit passendem Merkmalscode.

Entscheidungsachse 7 — Funktionale Sicherheit und Automotive-Qualifizierung

Hier liegt der schärfste Unterschied — und er steht in keiner Vergleichsseite.

Beim AM62A trägt die Merkmalsliste einen eigenen Abschnitt „Functional Safety" — dessen Geltungsbereich man genau lesen muss, denn die Überschrift ist mit [Automotive] gekennzeichnet. TI positioniert den Baustein als für automotive Anwendungen der funktionalen Sicherheit entwickelt, nennt die angestrebten ASIL-Stufen für systematische Fähigkeit und Hardwareintegrität und hält fest, dass eine Begutachtung geplant ist. Automotive-qualifizierte -Q1-Teilenummern existieren.

Die industrielle Seite hat sich geändert. Die Änderungsliste zu SPRSP77 Rev. E verzeichnet die Entfernung der industriellen Aussagen zur funktionalen Sicherheit samt der zugehörigen IEC-Norm-Unterstützung aus dem Dokument. Der AM62A trägt heute also eine Zielaussage auf der automotive Seite und keine mehr auf der industriellen. In einem Industrieprogramm ist diese Unterscheidung entscheidend, und der pauschale Satz „der AM62A ist sicherheitsgerichtet" ist heute falsch.

Auch diese Eigenschaft hängt am Bestellcode. Das Sicherheitsfeld der AM62A-Teilenummer kennt drei Bereiche:

Feldwert Bedeutung
19 Secure with Dummy Key, keine funktionale Sicherheit
HR Secure with Production Key, keine funktionale Sicherheit
SZ Secure with Production Key, mit funktionaler Sicherheit

Beim AM67A kehrt sich die Richtung um. Die Änderungsliste zu SPRSPA3 Rev. B verzeichnet die Entfernung der Aussagen zu funktionaler Sicherheit und Automotive-Qualifizierung, die Rev. A noch enthielt; die aktuelle Vergleichstabelle sagt „AEC-Q100 Qualified: No". Ausführlich in der AM67A-Architekturanalyse.

Entscheidung: Ist eine automotive Qualifizierung oder ein ASIL-Ziel gefordert, entscheidet diese Achse allein und zeigt auf den AM62A. Lautet die Anforderung auf eine industrielle Sicherheitsnorm, sagt keines der beiden aktuellen Datenblätter, dass sie erfüllt ist — diese Frage gehört zu TI.

Entscheidungsachse 8 — Leiterplattenkosten und Fertigbarkeit

AM62A AM67A
Gehäuse 484-poliges FCBGA oder FCCSP 594-Ball-FCBGA
Größe 18 × 18 mm 18 × 18 mm
Ball-Pitch 0,8 mm 0,65 mm
Prozess 16 nm FinFET 16 nm FinFET

Gleiche Grundfläche, andere Dichte. Der Schritt von 0,8 auf 0,65 mm erhöht in der Regel die Lagenzahl und verengt die Fertigungstoleranz, was sich im Leiterplattenpreis niederschlägt. Gegen die verbreitete Annahme sei angemerkt: TIs eigenes J722S/AM67-EVM ist eine 12-Lagen-Platine mit durchgehenden Bohrungen und ohne Microvia-Aufbau — 0,65 mm Pitch erzwingt hier also nicht automatisch einen HDI-Prozess, wohl aber ein dichteres Routing.

Beim Speicher unterstützt der AM62A LPDDR4 bis 3733 MT/s, der AM67A bis 4000 MT/s. Beide 32 Bit mit Inline-ECC und maximal 8 GB.

Beim Speichermedium gibt es eine bemerkenswerte Gleichheit: Das AM62A-Datenblatt führt eMMC bis HS200. Das AM67A-Datenblatt nennt HS400 — die Errata i2478 hält jedoch fest, dass HS400 auf Silizium-Revision 1.0 nicht unterstützt wird, was TIs eigene SDK-Dokumentation bestätigt. In der Praxis liegen beide bei HS200.

Entscheidungsachse 9 — Leistungsaufnahme, Lebensdauer, Software

Leistungsaufnahme. Die AM62A-Merkmalsliste führt einen eigenen Abschnitt „Power Management": Partial I/O mit Aufwachen über CAN/GPIO/UART, DeepSleep mit und ohne DDR-Erhalt, MCU-only, Standby und dynamische Frequenzskalierung für die A53-Kerne. Das AM67A-Datenblatt führt keine derart detaillierte Modusliste. Keines der beiden Datenblätter nennt einen Verbrauchswert; beide verweisen auf ein Abschätzwerkzeug.

Lebensdauer. Beide tragen dieselbe Betriebsstundenstruktur:

Profil der Sperrschichttemperatur Angegebene Lebensdauer
−40 °C … 105 °C 100.000 Stunden
−40 °C … 125 °C 20.000 Stunden

Der AM62A benennt diese Profile „Extended" und „Automotive" und definiert das Temperaturfeld im Bestellcode sauber: A für −40…105 °C, I für −40…125 °C. Beim AM67A ist das weniger sauber — Nomenklaturtabelle und Anhang zu den Gehäuseoptionen nennen für dieselben Bestellcodes unterschiedliche Bereiche. Ist die Temperaturklasse beim AM67A eine Entwurfsvorgabe, bestätigen Sie sie bei TI.

Software. Beide nutzen TIs Processor SDK und den Edge-AI/TIDL-Pfad; der Weg der Modellübersetzung ist gemeinsam. Die Benennung unterscheidet sich und beeinflusst die Dokumentensuche: AM62A-Unterlagen erscheinen unter AM62Ax, das Technical Reference Manual und die Errata des AM67A unter J722S. Zusammengestellt in der AM67A/J722S-Dokumentenübersicht.

Die Entscheidungsmatrix

Keine Merkmalstabelle, sondern eine Randbedingungstabelle. Trifft die linke Bedingung zu, gilt die rechte Entscheidung.

Randbedingung Entscheidung
Automotive-Qualifizierung oder ASIL-Ziel AM62A (mit passendem Merkmalscode)
Zwei oder mehr unabhängige Kamerapfade AM67A
Stereotiefe oder dichter optischer Fluss AM67A
NVMe / PCIe / M.2 AM67A
USB 3.0 AM67A
Mehrere gleichzeitige Inferenzströme AM67A
Mehrere Anzeigen oder GPU-gestützte Bedienoberfläche AM67A94
Eine Kamera, ein Modell, knappe Leistung AM62A
Ausgeprägte Energiesparmodi und Weckquellen AM62A
Kostensensitive Großserie, einfache Platine AM62A (0,8 mm Pitch)
Eine hart terminierte Regelschleife beide
Industrielle Vernetzung mit TSN beide (2 externe Ports)
CAN-FD mit ePWM/eQEP-Motorsteuerung beide
PRU-ICSS für EtherCAT/PROFINET-Offloading keiner von beiden

Wann der AM62A besser passt

  • Einkamerasysteme. Intelligente Kamera, Prüfstation, Personenzählung, Patientenüberwachung.
  • Automotive oder sicherheitsrelevante Programme. Die einzige Achse, auf der der AM62A allein entscheidet.
  • Knappe Leistungsbudgets. Die detaillierte Modusliste und der kleinere Beschleuniger wirken in dieselbe Richtung.
  • Kostensensitive Großserien. 0,8 mm Pitch, keine PCIe-Komplexität, enge Variantenauswahl.
  • Geringe oder keine KI-Last. Die AM62A1-Teile kommen ohne Beschleuniger — eine sinnvolle Basis, wenn nur ISP und A53-Kerne gebraucht werden.

Wann der AM67A besser passt

  • Mehrkamerasysteme. Vier unabhängige CSI-2-Empfänger sind in dieser Klasse selten.
  • Klassische Bildverarbeitung neben Deep Learning. Tiefe und Fluss in dedizierter Hardware.
  • Systeme mit lokalem Speicher. PCIe für NVMe, für Aufzeichnung oder ein Modellarchiv.
  • Mehrere gleichzeitige Inferenzströme.
  • Mehrere Anzeigen oder grafikintensive Bedienoberflächen.
  • Höher aufgelöste Videoketten.

Wann keiner von beiden passt

Sie brauchen PRU-ICSS. In keinem der beiden Datenblätter enthalten. Für EtherCAT- oder PROFINET-Offloading auf eine programmierbare Echtzeiteinheit sind AM64x und AM243x ausgelegt — siehe industrielle Protokolle.

Sie wollen eigene Beschleuniger-Kernel schreiben. Das AM67A-Datenblatt reserviert C7x und MMA für von TI bereitgestellten Code; das Datenblatt der Automotive-Geschwister auf demselben Silizium enthält diese Fußnote nicht, und TIs MCU+-SDK-Dokumentation weist in die andere Richtung. Dieser Widerspruch ist ungeklärt.

Ihr Modell liegt außerhalb der TI-Übersetzungskette. Dann beschreibt der Abstand zwischen 2 und 4 TOPS Ihr System nicht mehr.

Ihr Team arbeitet auf CUDA. Die Umstellungskosten können größer sein, als der TOPS-Vergleich nahelegt.

Sie brauchen deutlich mehr Inferenzdurchsatz. Dafür stehen AM68A und AM69A.

Eine Reihenfolge zum Ausschließen

Entscheiden Sie durch Ausschluss von Randbedingungen, nicht durch Querlesen einer Merkmalstabelle. Die Reihenfolge zählt; die erste belastbare Antwort entscheidet.

  1. Ist eine Automotive-Qualifizierung oder ein Ziel der funktionalen Sicherheit gefordert? Ja → AM62A mit passendem Merkmalscode. Ende.
  2. Wie viele unabhängige Kamerapfade? Mehr als einer → AM67A.
  3. Gehören Stereotiefe oder dichter optischer Fluss zum System? Ja → AM67A.
  4. Werden PCIe, NVMe oder USB 3.0 benötigt? Ja → AM67A.
  5. Wie viele gleichzeitige Inferenzströme? Mehr als einer → AM67A.
  6. Welche Anforderungen an Anzeige und Grafik? Mehrere Anzeigen oder GPU → AM67A94.
  7. Bis hierhin alles „nein"? Dann ist es der AM62A — und die nächste Frage beginnt: welche Variante, wie viele A53-Kerne, wie viele TOPS, wird das Anzeigemerkmal gebraucht, welche Temperaturklasse.

Den AM62A erst in Schritt 7 zu erreichen heißt nicht, dass er schwächer ist. Es heißt, dass Ihr System eine andere Aufgabe stellt als die, für die der AM67A entworfen wurde.

Der nächste Schritt

In diesem Vergleich steht keine Leistungszahl, weil hier keiner der beiden Bausteine gemessen wurde. Vor der Entscheidung ist ohnehin nicht Leistung zu prüfen, sondern Machbarkeit:

  • Übersteht Ihr Zielmodell die Übersetzungskette von TI, und welche Schichten landen auf dem Beschleuniger?
  • Passt Ihre Kameratopologie in das CSI-2-Budget des gewählten Bausteins — im Zeitmultiplex des VPAC?
  • Lassen Pin-Multiplexing und SERDES-Budget den gewünschten Schnittstellensatz gleichzeitig nach außen?
  • In welchem Betriebsstundenprofil landet Ihr thermischer Entwurf, und passt das zur zugesagten Einsatzdauer?

Diese vier Antworten bestimmen mehr als die Wahl zwischen den beiden Bausteinen. Um sie an Ihrer eigenen Last durchzuarbeiten, beginnt unser Architektur-Audit für eingebettete Systeme genau dort.

Quellen

  1. Texas Instruments — AM62Ax Sitara Processors datasheet, SPRSP77E, März 2023, überarbeitet April 2026 — https://www.ti.com/lit/ds/symlink/am62a7.pdf
  2. Texas Instruments — AM67x Processors datasheet, SPRSPA3B, März 2024, überarbeitet Juni 2026 — https://www.ti.com/lit/ds/symlink/am67a.pdf
  3. Texas Instruments — J722S/TDA4VEN/TDA4AEN/AM67 Processor Silicon Revision 1.0 Errata, SPRZ575 Rev. A — https://www.ti.com/lit/pdf/sprz575
  4. Texas Instruments — AM62A7 Produktseitehttps://www.ti.com/product/AM62A7
  5. Texas Instruments — AM67A Produktseitehttps://www.ti.com/product/AM67A

Zugriff auf die Quellen am 5. September 2026. Die Revisionsdaten der beiden Datenblätter liegen mehr als ein Jahr auseinander; prüfen Sie vor einer Festlegung den jeweils aktuellen Stand beider Dokumente.